Chronik

 

Seit der Gründung des Gebirgstrachtenerhaltungsvereines D´Werdenfelser im Jahr 1924 wird in der Stadt Tirschenreuth die Tracht und das angestammte Brauchtum gepflegt. Der Vereins-name D´Werdenfelser ist zurückzuführen auf die Gründungsväter des Trachtenvereins. Anfang des 20. Jahrhunderts hatten Holzknechte aus dem Werdenfelser Land – dem Gebiet um Murnau und Partenkirchen – in der Stadt Tirschenreuth Arbeit und Brot gefunden. Neun junge Tirschenreuther Burschen verbrachten ihre Freizeit mit den zugereisten Gebirglern und mit der Idee, einen Verein zur Brauchtumspflege zu gründen, schlossen sich die Männer zum ersten Trachtenverein in Tirschenreuth zusammen.

Der Ursprung der Holzknechte sollte nicht verborgen bleiben und deshalb entschieden sich die Gründer für die Werdenfelser Tracht, die für unseren Verein heute noch typisch ist. Die Wahl für den 1. Vorstand des Gebirgstrachtenerhaltungsvereins D´Werdenfelser fiel auf Michl Gleißner und mit seinem Amtseintritt wurde der Vereinsame in der Gründungsversammlung am 17. August 1924 in der Gastwirtschaft Härtl (Fischerwastl) festgelegt. Als Gründungsmitglieder sind überliefert: Franz Giehl, Michl Gleißner, Josef Hermann, Anton Maier, Karl Maierhöfer, Hans Schuster, Josef Schuster und Franz Wurm. Die unmittelbare Nachbarschaft des Gründungslokales zum örtlichen Schweinemarkt brachte den jungen Trachtlern  bald den Beinamen „D´Säumarkerer“ ein. Bereits nach einem Jahr waren alle Mitglieder mit einer vollständigen Tracht ausgestattet und der junge Verein beteiligte sich an den verschiedensten örtlichen Veranstaltungen mit der Darbietung von Schuhplattlern.

Schon im Jahr 1926 begannen die Mitglieder und der 1. Vorstand Michl Gleißner Theater- stücke aufzuführen. Mit diesen Aufführungen konnte ein zweifacher Erfolg verbucht werden: Zum einen füllte sich die Vereinskasse durch die Einnahmen aus dem Kartenverkauf und zum anderen wurden die Laienspieler durch die Anerkennung ihrer Leistung zum weiteren Mitwirken begeistert. Bis heute ist die Theateraufführung jedes Jahr der Höhepunkt der Vereinsarbeit und nun schon seit mehr als 60 Jahren wird pausenlos das Laienspiel gepflegt. Als Theaterleiter sind bekannt: Arnold Reber, Anton Schmid, Hans Seitz, Ernst Freundl, Hans Schätzler, Elisabeth Preisinger und Hermine Busl. Im Jahr 1955 war es dem T.u.H.V. D´Werdenfelser sogar möglich den gesamten finanziellen Erlös aus der Veranstaltung an die Stadt Tirschenreuth zu übergeben, um die Errichtung des Kriegerdenkmales in der Stadt Tirschenreuth zu unterstützen.

Ein weiterer Höhepunkt im Vereinsjahr ist das Einholen und Aufstellen des Maibaumes auf dem Deschplatz (Säumarkt) und seit 2008 wieder im Tirschenreuther Zentrum –auf dem jüngst sanierten Marktplatz. Seit mehr als sechs Jahrzehnten liegt das Aufstellen des Maibaumes in den Händen des Trachtenvereins. Jedes Jahr im März wird der Baum aus den städtischen Wäldern gefällt und für das Aufstellen am 30. April vorbereitet. Mit Blasmusik wird der Maibaum eingeholt und mit der Muskelkraft der jungen Burschen aufgerichtet. An dieser Stelle sei ein Dank an unsere befreundeten Vereine die Freiwillige Feuerwehr sowie die Tursiana Tirschenreuth gerichtet.

Gleichschaltungsgesetze und Zweiter Weltkrieg brachten das Vereinsleben in den  1930er und 1940er Jahren vollkommen zum erliegen. Im Zweiten Weltkrieg verloren sieben Vereinsmitglieder ihr Leben auf den Schlachtfeldern in Europa. Den gefallenen und vermissten Trachtenkameraden wird stets ein ehrendes Gedenken bewahrt.

Am 7. April 1947 um 14.00 Uhr trafen sich die zwölf Vereinsmitglieder im Nebenzimmer der Brauerei Kühn in Tirschenreuth, um den Gebirgs- und Volkstrachtenerhaltungsverein „D´Werdenfelser“ Stamm Tirschenreuth wieder mit Leben zu füllen. Johann Sladky wurde zum 1. Vorstand gewählt. Nach seiner Wahl ergriff Johann Sladky das Wort und gab bekannt: „Der Gebirgs- und Volkstrachtenverein Tirschenreuth hat die Aufgabe, die alten Volkstrachten  und Tänze zu erhalten,und diese durch Übungsstunden zu pflegen“.

Bereits im Jahr 1949 konnte eine Jugendgruppe vollständig eingekleidet werden und diese besteht seit dieser Zeit ohne Unterbrechung. Die große Bedeutung der Nachwuchsarbeit haben die verschiedenen Vorstandschaften immer wieder mit der Durchführung von Veranstaltungen auf Bezirksverbands- bzw. Gauverbandsebene bestätigt. So wurden in Tirschenreuth drei Bezirksjugendzeltlager, zwei Bezirksjugendtage und ein Sänger- und Musikantentreffen der Oberpfälzer Trachtenjugend durchgeführt.

Ein großer Festtag in der Vereinsgeschichte war der 6. Juli 1952. Die Vereinsfahne wurde feierlich geweiht. Als Pate trat der Gebirgstrachtenverein „Werdenfelser“ Nürnberg ein,  der im Jahr 1904 gegründet wurde, und neben der Fahnenbraut Hildegard Lukas (geb. Preisinger) übernahm die ehrenvolle Aufgabe der Fahnenmutter Therese Tretter. Zur Fahnenweihe übergab die Stadt Tirschenreuth zwei Tirschenreuther Bürgertrachten an den Trachtenverein. Seit diesem Zeitpunkt wird neben der traditionellen Gründungstracht auch die bodenständige Tirschenreuther Bürgertracht gepflegt und getragen.

Das zweite große Fest in der Vereinsgeschichte fand im Jahr 2004 statt. Es wurde die neue Vereinsfahne feierlich geweiht. Pate stand der Heimat und Volkstrachtenverein D`Labertaler Beratzhausen. Als Fahnenbraut fungierte Tanja Richter und als Fahnenmutter Barbara Person.

Neben den beiden Fahnenweihen konnten 1964 und 1974 das Oberpfälzer Bezirkstrachtenfest, 1984 und 1989 Gründungsfeste, 1994 das 2. Gaufest des Oberpfälzer Gauverbandes und im Mai 1999 das 75-jährige Gründungsfest in Tirschenreuth ausgerichtet werden. In den 1950er und 1960er Jahren gab es im Trachtenverein „D´Werdenfelser  - Stamm" eine Blaskapelle. Die Stadtkapelle Tirschenreuth – unter der Leitung von Kapell-meister Hermann Danhof – begleitete in der Werdenfelser Tracht die Trachtler zu den Trachtenfesten. Volksmusik und Volksliederpflege waren immer und sind noch Bestandteil der Vereinsarbeit. In den verschiedensten Besetzungen gab es und gibt es Gesangs- bzw. Musikgruppen

Stets haben Mitglieder der Werdenfelser im Bezirks- bzw. Gauverband mitgearbeitet. Ehrenvorstand Hans Schätzler leitete 25 Jahre lang die Geschicke des Gebietes Nord. Von 1990 bis 1993 brachte Hans Schätzler seine jahrzehntelange Erfahrung in der Trachten- und Heimatpflege als stellvertretender Bezirksvorstand in den Bezirksverband Oberpfalz ein. Des Weiteren waren bzw. sind Hans Seitz als Bezirksvortänzer, Christine Dux als Musikwartin, Josef Schmidkonz als Kassier und Günter Fennerl als Gebietsvorstand im Gebiet Nord des Oberpfälzer Gauverbandes tätig.